Himmelsleiter über Dörnberg: Refugium für die Feldlerche

Sorgenkind des Naturschutzes

Ökologischer Ausgleich für das Baugebiet

Dörnberg. Wo Familien ein neues Zuhause finden, wurde bereits für den gefiederten Nachwuchs vorgesorgt. Als ökologischer Ausgleich für das Baugebiet „Hasenbreite“ ist in Dörnberg eine großzügige Blühfläche entstanden, die vor allem einer Art das Überleben sichern soll: der Feldlerche. 

Wer in diesen Tagen über die Felder bei Dörnberg spaziert, kann sie mit etwas Glück erleben: Die „Himmelsleiter“. So nennen Naturfreunde die Feldlerche (Alauda arvensis) ehrfürchtig. Der Name rührt von ihrem einzigartigen Singflug her: Fast senkrecht schraubt sich der kleine Vogel in den Himmel, bis er in 150 Metern Höhe wie ein winziger Punkt verharrt und sein ununterbrochenes Trillern über die Landschaft schickt. Es wirkt, als würde das Tier eine unsichtbare Leiter in den Äther erklimmen.

In Sichtweite des Wohngebiets „Hasenbreite“ herrscht auf einer benachbarten, 3.000 Quadratmeter großen Fläche bereits buntes Treiben – zumindest aus Sicht der Natur. Die Gemeinde hat hier eine spezielle Ausgleichsfläche für die Feldlerche (Alauda arvensis) vorbereitet.

Dass solche Maßnahmen notwendig sind, liegt an der besonderen Lebensweise der Feldlerche. Als Bodenbrüterin benötigt sie offene, lückig bewachsene Flächen, um ihre Nester gut getarnt anzulegen. In der modernen Agrarlandschaft oder durch neue Bauvorhaben gehen diese Reviere oft verloren. „Die neue Blühfläche in Dörnberg ist weit mehr als nur ein optischer Akzent in der Landschaft“, sagt Bauhofleiter Daniel Dietzsch. „Sie ist eine lebenswichtige Trittfaser in der Region.“

Auf der vorbereiteten Fläche wurde eine spezielle Saatgutmischung aus regionaltypischen Wildkräutern und Blumen ausgebracht. Diese bietet den Lerchen entscheidende Vorteile: Optimales Versteck: Die Struktur der Pflanzen ist so beschaffen, dass die Vögel am Boden landen und geschützt zu ihren Nestern schlüpfen können.

Reiche Vorratskammer: Die Blüten locken zahlreiche Insekten an. Diese sind die Hauptnahrungsquelle für die Lerchenküken, die auf das tierische Eiweiß angewiesen sind, um in kurzer Zeit flügge zu werden.

Nachhaltiger Schutz: Im Gegensatz zu intensiv genutzten Äckern bleibt diese Fläche während der gesamten Brutsaison unangetastet, sodass auch Zweit- und Drittbruten eine Chance haben. 

Mit der Anlage der 3.000 Quadratmeter großen Fläche kommt die Gemeinde Habichtswald ihren ökologischen Verpflichtungen nach, die im Zuge des Bebauungsplans für die „Hasenbreite“ festgelegt wurden. Ziel ist es, den Eingriff in die Natur direkt vor Ort zu kompensieren.

Wenn in den kommenden Wochen der charakteristische, trillernde Gesang der Feldlerche über Dörnberg zu hören ist, ist das ein Zeichen dafür, dass die „Himmelsleiter“ ihr neues Refugium bereits angenommen hat. Ein Gewinn für das ökologische Gleichgewicht und die Lebensqualität in der Gemeinde. (mw) Foto: Wüllner