Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung 

Gemischtes Bild

Landkreis Kassel. Bei der Einschulungsuntersuchung (ESU) im Landkreis Kassel werden jährlich bis zu 2.400 Kinder durch das Gesundheitsamt Region Kassel untersucht. Dabei werden unter anderem Auffälligkeiten in den Bereichen Sprache, Motorik sowie mögliche Sinnesbeeinträchtigungen erfasst. Die Ergebnisse für das Schuljahr 2024/25 zeichnen ein gemischtes Bild: Während der Anteil der Kinder mit Übergewicht oder Adipositas leicht zurückgegangen ist, nimmt der Anteil der Kinder mit Auffälligkeiten im Hörtest weiter zu. 

„Die Einschulungsuntersuchung zeigt uns jedes Jahr aufs Neue, wo Vorschulkinder gut aufgestellt sind und wo zusätzlicher Unterstützungsbedarf besteht. Sie ist ein unverzichtbares Instrument für Kitas, Schulen und Sorgeberechtigte, um rechtzeitig auf Förderbedarfe reagieren zu können“, betont Landrat Andreas Siebert. Die Bürgermeister aus Zierenberg, Rüdiger Germeroth, und Habichtswald, Dr. Daniel Faßhauer, freuen sich über die positiven Veränderungen in einige Bereichen, nehmen aber auch punktuelle Verschlechterungen zum Anlass, gegenzusteuern und entsprechende Angebote zur Verbesserung zu fördern.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick: Im Schuljahr 2024/25 wurden im Landkreis Kassel insgesamt 2.319 Vorschulkinder im Alter von vier bis sieben Jahren untersucht, wobei die Mehrheit fünf und sechs Jahre alt war. Von den Kindern waren 52 Prozent Jungen und 48 Prozent Mädchen. Drei Viertel der Kinder sprachen zuhause überwiegend Deutsch.

Der Anteil der Kinder mit Übergewicht oder Adipositas ist mit 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (9 Prozent) leicht gesunken und bestätigt damit den positiven Trend der vergangenen Jahre. Dennoch gibt es weiterhin regionale Unterschiede: Einige Gemeinden verzeichnen höhere Werte als im Vorjahr und liegen über dem Kreisdurchschnitt. Besonders betroffen sind die Städte Bad Karlshafen (17,4 Prozent), Hofgeismar (13,4 Prozent) und Naumburg (11,5 Prozent). In Zierenberg ist der Anteil an übergewichtigen Kindern von 10 auf 8,5 Prozent gesunken. In Habichtswald kletterte die Anzahl von 6 auf 10,7 Prozent.

„In Gemeinden mit überdurchschnittlichen Werten sollten Bewegungs- und Ernährungsangebote in Kitas und Grundschulen weiterhin verstärkt verankert werden. Insgesamt ist es wichtig, bestehende Angebote in allen Gemeinden fortzuführen, um einen positiven Einfluss auf ein gesundes Körpergewicht im Kindesalter nachhaltig zu sichern“, empfiehlt Dr. Britta Röper, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel. 

Bei den motorischen Fähigkeiten zeigen die Kinder im Landkreis Kassel nach wie vor mehr Schwierigkeiten in der Feinmotorik. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der feinmotorischen Auffälligkeiten von 12,1 auf 12,8 Prozent leicht gestiegen, während die grobmotorischen Auffälligkeiten von 7,2 auf 6,7 Prozent leicht zurückgegangen sind. Auch hier gibt es deutliche regionale Unterschiede: Besonders viele Kinder mit feinmotorischen Schwierigkeiten wurden in Helsa (30,2 Prozent), Breuna (25 Prozent) und Liebenau (25 Prozent) festgestellt. 

Bei der Grobmotorik besteht vor allem in Zierenberg (15,3 Prozent), Bad Karlshafen (13,6 Prozent) und Liebenau (13,6 Prozent) der größte Förderbedarf in der Körperkoordination.  In Habichtswald ist die Zahl der Auffälligkeiten in der Grobmotorik von 5,9 auf 0 gesunken - positiver Spitzenwert im Landkreis Kassel

Die Ergebnisse aus der Überprüfung der Sprachkompetenz in der Unterrichtssprache Deutsch weisen insgesamt auf einen Rückgang sprachauffälliger Kinder um knapp einen Prozentpunkt von 17,5 auf 16,6 Prozent hin. Trotzdem haben unter anderem in den Gemeinden Liebenau (41,7 Prozent), Breuna (34,4 Prozent) und Wolfhagen (30,9 Prozent) überdurchschnittlich viele Kinder Auffälligkeiten in der Sprachkompetenz gezeigt. Auch zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In Habichtswald ist der Wert von 6 auf 10,9 Prozent gestiegen, bleibt aber weiterhin einer der besten Werte im Landkreis. In Zierenberg ist der Wert von 11,6 auf 26,7 Prozent - unter anderem bedingt durch die Einschulung geflüchteter Kinder - gestiegen. 

Auch in den ESU-Ergebnissen für das Schuljahr 2024/25 wurde deutlich, dass der Kitabesuch mit einer positiven Entwicklung der Sprachkompetenz einhergeht. „Die Daten zeigen abermals die Notwendigkeit, allen Kindern des Landkreises Kassel einen Platz in einer Kita zur Verfügung zu stellen“, erläutert Siebert.      Nachdem im vergangenen Jahr der Anteil der Kinder mit Auffälligkeiten beim Sehtest (Sehschärfe) auf einem besorgniserregenden Höchststand von 30,5 Prozent lag, bleibt der Wert in 2024 gleich. In Habichtswald stieg der Wert von 10,4 auf 17,9 Prozent. In Zierenberg ist er von 20 auf 19 Prozent gefallen. 

Die Ergebnisse der Vorschulkinder im Hörtest, bei welchem die Hörkraft getestet wird, steigt von 20,6 auf 21,7 Prozent weiter an. In Habichtswald liegt der Wert jetzt bei 3,6 Prozent (vorher 7,6) in Zierenberg gibt es bei 3,3 Prozent der Kinder Auffälligkeiten beim Hörtest (voher 12,5). „Es handelt sich bei diesen Ergebnissen um Auffälligkeiten im jeweiligen Sinnes-Screening, nicht um gesicherte Diagnosen“, erklärt Michaela Maßmann-Pabst, Ärztin und Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit im Gesundheitsamt Region Kassel. „Viele Faktoren können diese Ergebnisse beeinflussen. Dennoch müssen diese Kinder unbedingt fachärztlich nachuntersucht werden.“

Im Gegensatz zu diesen Herausforderungen beim Sehen und Hören kann der Landkreis Kassel jedoch erneut eine positive Bilanz bei der Masernimpfung vorweisen: Mit einer Impfrate von 97,8 Prozent bei den für das Schuljahr 2024/25 untersuchten Kindern übertrifft der Landkreis das nationale Impfziel der WHO von 95 Prozent. Bemerkenswert ist, dass in diesem Jahr jede einzelne Gemeinde die 95-Prozent-Marke erreicht hat. Die Impfraten basieren auf der Auswertung der vorgelegten Impfdokumente, die bei 97 Prozent der Kinder vorlagen.

Vor dem Hintergrund zunehmender Auffälligkeiten in den Seh- und Hörscreenings sollten Maßnahmen zur Prävention von Kurzsichtigkeit und Hörbeeinträchtigungen bei Kindern frühzeitig umgesetzt werden. Regelmäßige Aufenthalte im Freien sowie bewegungsorientierte Außenangebote in Kitas und Schulen können die gesunde Entwicklung der Augen unterstützen und dem Entstehen von Kurzsichtigkeit entgegenwirken. Ergänzend dazu, sollten Sorgeberechtigte für einen verantwortungsvollen Umgang mit Bildschirmmedien sensibilisiert werden. Zum Schutz des Hörvermögens empfiehlt es sich, lärmreduzierende Maßnahmen in Kitas und anderen öffentlichen Einrichtungen auszubauen. Lärmarme Raumkonzepte, ruhige Rückzugsorte sowie Aufklärung zum Umgang mit Kopfhörern und lauten Spielzeugen tragen dazu bei, Hörschäden zu vermeiden.  

Beim Vergleich der Gemeinden ist zu berücksichtigen, dass die Untersuchungszahlen teilweise erheblich variieren. Je geringer die Zahl der untersuchten Kinder ist, desto stärker beeinflussen einzelne auffällige Ergebnisse den Gesamtprozentwert und desto deutlicher zeigen sich sogenannte „Ausreißer“. (mw)